Riffbildende Lederkorallen

Was ist eigentlich ein Riff?

Ein Riff ist eine massgeblich von lebenden Organismen aufgebaute, meist bankförmige Struktur, die vom Meeresboden bis zur Wasseroberfläche reicht und so gross wird, dass sie erheblich die physikalischen und damit auch ökologische Eigenheiten ihrer Umgebung beeinflusst.

Ihre Konsistenz ist hinreichend fest, den anbrandenden Wasserflächen zu widerstehen und damit einen vieljährigen, charakteristisch gegliederten Raum für spezifisch angepasste Bewohner zu bilden.

Seeleute waren wohl die ersten, die Bekanntschaft mit Riffen machten und von ihnen stammt auch die weiteste Auslegung des Begriffes "Riff" - eine Bezeichnung für jede Untiefe des Meeres, durch die ein Schiff behindert werden kann.

Biologen und Geologen verstehen den Begriff "Riff" allerdings enger (siehe Kurzformel nebenan). Ein Riff wirkt als Wellenbrecher, durch seine Existenz schafft es Brandungs- und Stillwasserbereiche in der sonst gleichförmig bewegten Wasseroberfläche.

Im offenen Meer wird es mit der Tiefe gleichmässig dunkler. Nicht so im Riff, diese Gleichmässigkeit wird hier durch ein vielfältiges Spiel von Licht und Schatten ersetzt. Das Leben im Riff muss sich an diese speziellen Verhältnisse anpassen, etwa im Aussehen.

Auch hinsichtlich der Temperaturen und der im Wasser schwebenden oder gelösten Stoffe lassen sich Unterschiede beim Vergleich zwischen Riff und dem freien Wasserkörper feststellen. Das offene Meer ist kühler und Dies bedingt Anpassungen hinsichtlich der Ernährungsweise.

 

 

Riffbauende Lebewesen

Voraussetzungen für die Bildung von Korallenriffen ist eine geringe jahreszeitliche Temperaturschwankung bei einer Wassertemperatur von nicht unter 20 Grad. Ausserdem wachsen Korallen nur in Landnähe oder zumindest auf einem Schelfsockel. Der Untergrund, auf dem sie fussen, ist meist nicht tiefer als 50m nur so ist der Bedarf an Licht gesichert. Das Wasser muss klar sein, mit möglichst wenig Trübstoffbelastung. An Flussmündungen mit ihrer starken Verschmutzung durch Sedimente findet man deshalb ebensowenig Riffe wie an Orten, wo Meeressedimente aufgewirbelt werden. Eine weitere Einschränkung für die Verbreitung ist der Salzgehalt des Meereswassers.

 

 

 

Die Steinkorallen sind die eigentlichen Erbauer der meisten heute existierenden Riffe, der Korallenriffe. Diese "Gärten aus Stein" sind das Werk eines relativ kleinen Polypen. Die meisten messen nicht mehr als 1 cm Durchmesser.

Riffbildende Korallen (hermatypische Korallen) haben alle symbiotische Algen (Endosymbiose)vin ihren Zellen. Die sogenannten Zooxanthellen, produzieren für die Koralle zusätzliche Nährstoffe, unterstützen aber auch die Korallen bei der Kalkbildung.

Nicht riffbildende Korallen (ahermatypische Korallen), etwa Steinkorallen in gemässigten Breiten haben keine Zooxanthellen. Eine Ausnahme ist die schwarzgrüne Kelchkoralle (Tubastrea micranthus), die ein sehr widerstandsfähiges Skelett hat, aber keine Zooxanthellen.

 

aber es geht auch anders...Untersuchungen am Sanganab-Riff im Roten Meer

Anders als den Steinkorallen fehlen den Weichkorallen massiv, dauerhafte Skelette.

Die Kalknadeln ihrer Sklerite werden nach dem Absterben der Korallen mit anderen Riffsedimenten im Lückensystem des Riffgerüstes verfüllt oder in Vorriff gespült.

Unter den Lederkorallen es jedoch Ausnahmen. Bereits in den frühen 1990er Jahren

beobachtete Prof.H.Schuhmacher am Sanganeb-Atoll im roten Meer erstmals umfangreiche Riffstrukturen, die auf der Grundlage von Sinularia-Kolonien entstanden waren.

Durch die Zementierung der Sklerite an der Koloniebasis entstehen solide und dauerhafte Stämme, die von anderen Riffbewohner besiedelt werden. Prüfungen der Skelettdichte, Porösität, Scher- und Bruchfestigkeit ergaben Werte etwa im Bereich der harten Skelette von Porites- und Acropora-palmata- Steinkorallen.

In den Folgejahren wurde über solche Kolonien auch aus anderen Riffregionen berichtet, z.B. von Green Island im Großen Barriere-Reef. Sie belegen die weite Verbreitung dieser Lederkorallen in den Riffgebieten.

 

Die anscheinend unbegrenzt wachsenden Kolonien können raumgreifende Pfeilerstrukturen im flachen Lagunenbereich bilden. In einem langjährigen Untersuchungsareal am Sanganeb-Reef (Sudan,RotesMeer) zeigte die Kalkfelsunterlage der Korallengemeinschaft, ein Turm von etwa 6,5 m Höhe und12-15 m Umfang, hohe Anteile von Sinularia am Skelettaufbau.

 

Eine Altersabschätzung nach der Größe des Komplexes beträgt wenigstens mehrere Jahrzehnte. Es zeigt sich, dass in bestimmten Fällen auch Weichkorallen dazu beitragen, stabile und dauerhafte Riffstrukturen aufzubauen.

 

Autor: ©Hutter J, 2011

Quellen: Schuhmacher, H. Hinterkircher-Niedere Meerestiere (1996), Reinicke, Kroll (2003)

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